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Der NEMESIS CODEX

Hier einige Leseproben aus der Science-Fiction Saga:

Er konnte im Geiste bereits die Manöver, die der behende Gleiter ohne Schwierigkeiten selbst in dichtesten Atmosphären vollzog, fühlen. Wohin seine Augen auf der Form des Colum-Ghar auch schauten, er konnte nur vertraute Linien entdecken. Sein Blick glitt entlang der schmalen, spitz zulaufenden Bugkonstruktion in der die Nahkampfwaffen untergebracht waren hin zu den seitlichen Tragflächen, die in ihrer gesamten Molekularstruktur so aufgebaut waren, daß sie jeder Tragfähigkeitsanforderung individuell angepasst werden konnten Hier war die Leitnummer des Gleiters angebracht: 7.6.9.9. Zwischen den Tragflächen verbarg sich mittig der Kommandoblock, der bis zu vier Personen aufnahm und notfalls vom Corpus des Gleiters abgesprengt werden konnte. Darunter war der doppelte Impulswerfer angebracht. Eine mächtige Waffe, die ganze Raumtransporter in Sekundenbruchteilen zerbersten lassen konnte. Achteraus befanden sich vier GideonVI-Tiebwerke mit Galitec-Atmosphärenwandlern, die dem Kampfgleiter ohne Mühen 1,1fache Alphageschwindigkeit verliehen. Der ultragehärtete Rumpf wies kaum Spuren von Kämpfen auf, denn die Orgon-Schildgeneratoren, die auf dem Technodrom entwickelt worden waren, wurden von keiner anderen Defensivwaffe bisher übertroffen.
Ohne Zweifel. Dies war Zerions Kampfschiff. Der VORTEX III war das Kommandoshuttle des segurianischen Technodroms und allein dem Commander und dem ersten Offizier zugeteilt. Mit diesem Shuttle hatte waren sie dereinst hierher gekommen, um ihre Strafe zu verbüßen. Nun war der Moment gekommen, da sie diesen Ort wieder mit demselben Shuttle verlassen würden, um den ewigen Kampf der Gewalten zu Ende zu bringen.

Auch Kh´yron musterte fast andächtig den metallenen Todesvogel. Der Techniker begann sofort, das Schiff nach eventuellen Beschädigungen oder Anzeichen für Funktionsuntüchtigkeit abzusuchen, fand jedoch keinen Grund zur Beanstandung.
"Er ist stark, mein Lord Zerion. Er schlief wie wir, und nun ist auch er erwacht. Laßt uns in den Kampf ziehen, mein Kommandant." Als er dies sagte, beseitigte Kh´yron die Sicherheitssperren, die Unbefugte seit eintausend Jahren daran gehindert hatten, das fremde Schiff zu betreten. Die Einstiegsluke unterhalb des Kommandoblocks öffnete sich, die Krieger begaben sich ins Innere des Gleiters und konnten die Kampfeinheit in Betrieb nehmen. Die beiden nahmen ihre Plätze auf der Brücke ein, und Kh´yron aktivierte die Energiephalanx für alle Sektionen. Es war, als ob sie beide dies erst gestern das letzte Mal getan hätten. Jeder Handgriff war vertraut. Der ruhige, gleichmäßige Puls der Reaktoren ließ darauf schließen, daß die vorgewärmten Triebwerke in hervorragendem Zustand waren.

Zum ersten Mal seit tausend Erdenjahren gab Zerion wieder den Zugangsbefehl.
"Computer. Alpha 1/Sierra Tango Triple One/Commander Zerion/242 Run."

Die Schaltbänke vor dem Pilotensitz des Kommandanten, der rechts von dem des Copiloten befindlich war, begannen zu leuchten und zu blinken. Der große Bildschirm vor ihnen leuchtete nacheinander in vielen Farben auf, bevor er die technischen Daten für den Check aufzeigte. "Computer. Check Control. Raft Control. Sec Control." Der Bordcomputer begann nun, die verschiedenen Systeme des Colum-Ghar binnen weniger Augenblicke vollständigen und umfangreichen Tests zu unterziehen. Es wurden zunächst die primären und sekundären Energie­leitsysteme getestet, Navigation und RANGE-MODUS wurden neu justiert. Der RPS-Gravitationswandler wurde in Betrieb genommen und sämtliche Sicherheitstests wurden noch einmal wiederholt. Der Bordcomputer rapportierte die Check­ergebnisse in der gewohnt ruhigen Art mit der sonoren männlichen Stimme, die Kommandant Zerion seit so langer Zeit nicht mehr vernommen hatte:

" Sierra Tango Triple One Motherboard. Control End. Data CRS-Control: Check-Run. RPS-Run. SEC-Run. Alle Systeme arbeiten fehlerfrei bei 100%. Reserve bei 11%. ST111COLUMGHAR7699242CPU meldet Einsatzbereitschaft. Antrieb und Waffensystem stehen zur Verfügung. Bitte Kursdirektion und Startsequenz eingeben."

Zerion und Kh´yron bedienten die Navigationsphalanx und Zerion begann, die Startsequenz zu aktivieren. "Computer. Start einleiten. Kurs: 0°/0°. stand by. Gravitationfaktor: 0 Drive: 0." Das Summen in den Triebwerken nahm an Intensität zu. Staub wurde draußen vom Boden aufgewirbelt, und hüllte den großen Raum in eine irisierende Wolke, durch die die Landelichter des VORTEX III wie helle Lanzen stachen.


Der Colum-Ghar erhob sich langsam vom Boden und die Landestützen wurden eingefahren. Außerhalb des Kommandoblocks schwoll das Summen der Gideon VI-Triebwerke zu einem unerträglichen Geräuschinferno an, das menschliche Ohren nie hätten ertragen können. Wenn in der Halle außer den beiden Raumfahrern jemand anwesend war, dann war dieser spätestens jetzt, da die Antigrav-Triebwerke anliefen und den Raum mit einem Brüllen und Toben der Gewalten erfüllten, endgültig taub. Der Commander gab weitere Parameter an den Bordcomputer zur Bearbeitung.
"Computer. Bereite Austritt in Atmosphäre vor. Zwischenbereich berechnen. Anflugwinkel bei Verlassen der Hydrosphäre korregieren. Neue Kursberechnung erfolgt bei Höhe 1,0 Nanolichtsekunden über Normalnull. Ausführen."

"BELTRON Aktiviert. Startfreigabe. Sekundärsysteme fluten Startplatz. Austritt aus der Hydrosphäre in RAST 0,27. Ionenfluß positiv. Initiiere Vorstufe Impuls 1."

Die Decke über dem Colum-Ghar begann, sich langsam zu den Seiten hin zu öffnen, und ein unermeßlicher Schwall schmutzigen Wassers ergoß sich sturzartig in das unterseeische Gewölbe und füllte den Raum binnen weniger Sekunden mit dem grünlichen Wasser der Nordsee. Der Colum-Ghar wurde durch die hereinbrechenden Wassermassen in keinster Weise bewegt, der RPS-Wandler hielt den VORTEX III sicher in der festgeschriebenen Position.
Als sich das Wasser etwas beruhigt hatte, begann die Startautomatik, den Kampfgleiter aus den Fluten zu heben. Nach wenigen Sekunden hatten sie die Oberfläche erreicht und durchbrachen diese in horizontaler Objektlage, als gäbe es die Oberflächenspannung nicht.

"RPS-Modus: Pierce H beendet. Erreichen Modus Pierce A. Steigflug."

In fast Nullzeit erhob sich der VORTEX III bis in ca. 300 m Höhe über dem Meer und verharrte dort absolut unbewegt mit laufenden Triebwerken.

"Programm ausgeführt. Erwarte korregierte Kurseingabe.

"Computer. Zielkurseingabe. Sierra Sierra Tango Lima /
Zielcode:46164SSTLVIATHN.111
Kurs auf das Sternbild des Schützen. RadixH: 7°45´. RadixV: 42°4´. Geschwindigkeit bis RAST 1: 1 Mikra. Danach Geschwindigkeit Alpha 1 bis RAST 163,7. Gravitationsübernahme bei Rast 165. Eingabe beendet."

"Du willst zum Pluto?" Kh´yron war erstaunt. "Meinst du wirklich, er war die ganze Zeit so nah? Das würde ja bedeuten, daß der Marga damit rechnete, daß wir wieder gebraucht werden. Dann war das Ganze alles nur Theater, um uns bis zur Entscheidungsschlacht ruhigzustellen? Jahrhunderte des Leids und der Unterdrückung waren nichts als Beschäftigungstherapie für ungeliebte Krieger, oder was?"

Er sah Zerion erwartungsvoll an, als wolle er ihn um eine Verneinung seiner eben verfaßten These bitten. Dabei machte er den Eindruck eines zutiefst erzürnten Kämpfers. Zerion jedoch dachte nicht daran, Kh´yron diesen Gefallen zu tun und nickte statt dessen betont langsam und bedeutungsschwer.
"In etwa fünf bis sechs Stunden, mein lieber Freund Kh´yron, werden wir wieder an Bord des Technodroms sein. Wir werden wieder mit dem Leviathan durch das Universum pflügen, und wir werden kämpfen, mein getreuer Kampfgefährte. Wir werden kämpfen, wie wir noch nie zuvor gekämpft haben. Unser Gegner ist mächtiger, als je zuvor. Es ist viel Platz auf dem Feld der Ehre, Kh´yron. Laß es uns betreten. Computer. Startfreigabe an Triebwerkskontrolle. Autonavigation aktivieren."

Ein kurzes, rollendes Pfeifsignal ertönte und der nasse, im Mondlicht düster funkelnde Corpus des VORTEX III begann, seitlich nach rechts oben anzugehen, derweil er sich bei diesem Manöver auch um seine Längsachse langsam zu drehen begann, so daß er dem Meer in dem Moment, als das Impulstriebwerk zündete und den Gleiter hinaus aus der Atmosphäre katapultierte, fast den Rücken zuwandte. Die Schockwelle des Impulsantriebes war so groß, daß sich in der Nordsee eine Springflutwelle ausbreitete, die den E-MAILS und NTV´s auf der Erde noch nach Wochen zu berichten gegeben hätte...
Der stolze Vogel wurde von den Impulstriebwerken mit nicht geahnter Geschwindigkeit ins All getrieben und erhöhte sein Tempo nun auf etwa 20.000kmh. Nach ca. 3 Minuten meldete sich der Computer:

"Achtung. Bereite Phasenwandler für Alpha 1 vor. Initiierung in zehn Sekunden, 9...8...7...6...5...4...3...2...1 - Overlay komplett. Gehe auf Alpha 1. Kurs akzeptiert."

Der Impulsgang des Deuterium-Stroms in den Haupttriebwerken wurde verstärkt, und die Fusionsreaktoren erreichten 93% Leistungshergabe. Mit einen kurzen Aufblitzen verschwand der Colum-Ghar in dem Lichttor, das er durch seine Beschleunigung geöffnet hatte.
Zerion betrachtete die Erfassungsmuster am Vorausbildschirm und sann über vergangene Zeiten, während Kh´yron sich an die Überholung der Bordinstrumente machte und hierzu im oberen Deck des Gleiters verschwand, seine Anwesenheit hin und wieder durch Klopfgeräusche an der Innenkonstruktion des oberen Decks kundtuend.
Damals, nach der ersten Großen Schlacht gegen den Cuthulhu, der das mächtige Raumschlachtschiff Nyarlathothep befehligte, hatte man ihn und seine besten Offiziere des Kommandos und des Ranges enthoben, obwohl es ihnen gelungen war, Cuthulhu in eine lebensbedrohliche Enge zu treiben. Der Nyarlathothep war schwerst angeschlagen worden in dem großen letzten Gefecht der Schlacht im Proxima-System. Man hatte ihn und seine Männer wie Kriegsverbrecher behandelt und nicht im Traum wäre es den fetten Repräsentunten, wie der Commander die wabbernden und intriganten Ratsmitglieder oft zu nennen pflegte, eingefallen, die Taten die seine Leute für die bewohnten Planeten getan hatten, mit Dank zu erwidern.


Zerions Kampfpiloten waren reihenweise wie die Fliegen vernichtet worden, als sie damals den fünfzackigen Kampfstern des Gegners wieder und wieder in sinnlosen Wellen angeflogen hatten. Aber diese feinen Herrschaften hatten nichts besseres zu tun, als vor dem Rat Beschwer zu führen über ihr Land und ihre Kolonien, die sie durch die schweren Kämpfe verloren hatten. Und sie waren sich obschon ihrer an sich sprichwörtlichen Zerstrittenheit in einem Punkt merkwürdig einig: Wenn Einer am Maß der herrschenden Zerstörung Schuld sein könne, dann doch der Commander des Technodroms, denn er habe doch den Gegner erst herausgefordert. Außerdem war der Andere geflohen.

Man hätte sich doch schließlich einigen können, meinten sie dann auch noch, der Cuthulhu hätte sich sicherlich mit einem profitablen Arrangement befriedet. Sie hatten wenige Tage, nachdem das Morden und Sterben nachgelassen hatte bereits vergessen, gegen wen der Commander mit seinem Kampfstern gezogen war, und daß sich dieser Feind bestimmt nicht befrieden würde. Doch sie hatten pausenlos auf den Marga eingeredet mit Engelszungen. Er hatte völlig ungerührt zugehört und das Urteil gefällt. Sicher, heute wußte Zerion es besser, aber damals war es ihm, als risse man ihm das Herz heraus. Als er in Begleitung des Übernahmeoffizierschors auf den Kampfstern zurückgekehrt war, hatte man auf dem ganzen Technodrom um ihn getrauert. Alle dachten, der Commander würde nie wieder auf seinen Platz zurückkehren. Alle waren in Trauer gewesen, denn die bevorstehende Demontage des Kampfstern und seine Umwandlung in eine Raumstation zu Forschungs- und Erholungszwecken wollte niemandem so recht behagen. Alle, die durch das Technodrom oder auf ihm lebten, ja sogar Teil von ihm waren, fühlten die Lehre, als das Kommandoshuttle VORTEX III den Alphahangar mit dem Commander und der Nr.1 an Bord verlassen hatte. Sie hatten Zerion und die anderen Offiziere getrennt untergebracht, und ihre Gedächtnisse mit derselben Maschine gelöscht, die ihm nun sein Leben zurückgegeben hatte. Es war ein unbeschreibliches Gefühl der Befreiung für Zerion und die Leben, die er in den letzten tausend Erdenjahren geführt hatte, begannen zu verblassen. Nun würde bald wieder alles anders sein. Er war wieder Zerion. Der Kommandant. Er sah sich in seinem Kommandostand um. Vor ihm auf der gläsernen Arbeitsfläche entfaltete sich die Navigationsphalanx, deren blaue Interaktivfelder sich von den roten der Waffenphalanxen deutlich unterschieden. Alle Felder waren in einer Weise angeordnet, daß man sie ohne Energieverluste bequem bedienen konnte. Der Hauptschirm vor ihm zeigte im Moment kein reales Außenbild, es liefen permanent die Leistungsdaten über den Schirm. Sein Blick schweifte hinüber zu den Energieleitbänken, die Kh´yron selbst in den härtesten Kämpfen ausgezeichnet zu bedienen pflegte. Die ständige Kontrolle des Energiefluxus, der gerade im Gefecht unter Beschuß oft geändert werden mußte, erforderte größte Konzentration und ein enormes technisches Verständnis. Der Copilot hatte sämtliche Energieflußmuster im Kopf zu haben, um bei Systemwechseln schnell reagieren zu können. In der stillen Zusammenarbeit von Pilot und Copilot lag der Kampferfolg eines Colum-Ghar Jägers.

Und Commander Zerion und sein erster Offizier Kh´yron waren zwei Abkömmlinge von Seguria, die wie eineiige Zwillinge waren. Sie ergänzten einander wie Deuterium und Orgon, so daß sie binnen kürzester Zeit zum erfolgreichsten Kampfbund des segurianischen Imperiums avanciert waren, und man sie beide damals ausgewählt hatte, um den Leviathan zu führen. Nun waren sie auf dem Weg zurück zum Technodrom und bereit, die Ehre des Empire wiederherzustellen und an den Ruhm vergangener Tage wieder anzuknüpfen.
Zerion war äußerst zufrieden mit der Entwicklung der Dinge.
Nach einiger Zeit kam Kh´yron von seiner Inspektion durch das Innere des Gleiters zurück und zeigte sich äußerst zufrieden. "Wenn das Technodrom in demselben Zustand ist wie der Colum-Ghar, dann möge der Schöpfer des Universums mit unseren Feinden sein, denn wir werden seinen Beistand nicht benötigen. Ich schwöre Euch, mein Lord, es gibt im Universum nichts besseres, als die segurianische Technik. Dafür würde ich durchs Feuer gehen." Man konnte davon ausgehen, daß der Krieger es auch genauso meinte, wie er sagte. Kh´yron war ein sehr direkter, aggressiver Typ, der immer den härteren Weg wählen würde, auch wenn es keinen Vorteil brächte. Sein Mut und seine Körperkraft waren Legende im gesamten segurianischen Reich. Er war der Sieger der Kraftspiele von Benethnash Prime und hochdekorierter Kämpfer der Allianz von Sodom. Das machte ihn zu einem gefürchteten Kämpfer und unnachgiebigen Krieger. Seine aggressive Entscheidungskraft im Gefecht und seine grenzenlose Improvisationsfähigkeit ließen ihn auch für taktisch geschulte Gegner zu einem immensen Problem in der strategischen Berechnung werden. Kh´yron war einer uralten Edomiterfamilie entstammt, deren höchstes erstrebenswertes Prinzip es war, die statistische Unberechenbarkeit mit einem effizienten Wirkungsfaktor zu koppeln. Die Meister dieser Kunst, die ausschließlich auf Sodom praktiziert wurde, brachten es dazu, aus allen vorhandenen Ausgangsstoffen mittels ständig wechselnder Handlungsmuster alle erwünschten Ergebnisse hervorzubringen. Sie waren die Beherrscher des Chaos. Drei der asshurischen Meister hatten den kleinen Kh´yron damals in den Katakomben von Sodom aufgefunden und all ihr Wissen in ihn gelegt. So war er zu einen strategischen Wunder geworden und als er zur Flotte kam, begann sein kometenhafter Aufstieg.
Zerion hatte ihn damals in der Kriegsausbildung kennengelernt, und die beiden waren sofort feste Freunde geworden. Sie waren von Anfang an zusammen geflogen und auch später, als Zerion in den Dienstgraden höher stieg als Kh´yron, waren sie nie getrennt worden. Zu Beginn des 2. Zyklus des Sodom von Dubhe im 6. Imperium von Gharwk war durch das Reich die Kunde gegangen, es würde ein Kampfstern gebaut, da die Prophethen eine Bedrohung gesehen hatten, die das gesamte Universum in seiner Existenz in Frage stellte. Wesen von unheimlicher Größe, die von außerhalb des heliogenetischen Raumzeitkontinuums stammten, drohten das Universum zu vernichten.
Zerion erinnerte sich. Auch er, er war damals noch ein Kind gewesen, hatte gelacht über die alten Bartträger, die dahergewatschelt kamen, um seiner Familie, die zu den Stämmen der heiligen Krieger gehörte, weiszumachen, was für Waffen sie benötigten, um zu kämpfen.

Und trotzdem hatten die Orden der Propheten all ihr Besitztum, das sie in Jahrtausenden gesammelt hatten, veräußert. Man sagte, sie heuerten die besten Konstrukteure und Monteure des segurianischen Sektors an, um nach ihren Plänen einen Kampfstern zu konstruieren, wie ihn das beleuchtete Universum noch nie zuvor gesehen hatte. Ganze Planeten des Systems waren der Legende nach zu Thellurium geschmolzen worden, um den mächtigen Rumpf zu schaffen, den nichts durchdringen konnte.

Die Alten hatten einen Sodomith-Okteader aus dem schwarzen Herzen Sodoms von Seguria schlagen lassen, der an Höhe den höchsten Berg, den Zerion auf der Erde gesehen hatte, übertraf. Es war ein einziger, völlig perfekt geformter tiefschwarzer Kristall, der die Energie von dutzenden von Galaxien speichern konnte, und mit nichts vergleichbar war, was Menschen je erschaffen hatten. Der Kristall, hieß es, war damals in die Umlaufbahn von Alkaid geschleppt worden, wo er in einem Zeitraum von 3 Standardjahren unter Zuhilfenahme besonderer, apokrypher Rituale der vergessenen Zeiten darauf vorbereitet wurde, Leben zu tragen. Am Tag Shai-Haluthar hatten sie den Sodomith zum Sterntor gebracht und der Leviathan hatte den Stein beseelt. Nach der Fertigstellung des Technodroms, das nichts als eine Rüstung für den Leviathan war, wurde eine Mannschaft für den Kampfstern gesucht, und Zerion und Kh´yron hatten sich beworben. Sie hatten beide bereits eine steile Karriere im Korps hinter sich, die jedoch aufgrund ihrer Eigenwilligkeit bis hin zur Befehlsmißachtung auch tiefe Einschnitte aufwies.
Desto mehr überrascht waren sie beide gewesen, als man Zerion das Kommando über den Kampfstern zuteilte und Kh´yron zum ersten Offizier machte. Sie wurden beide in den Commanderstand befördert und in der Datenzentrale des Imperiums wurden ihnen sämtliche Stufe 1 - Dateien eingelesen. Das war ein Vorgang, soviel wußte Zerion schon damals als einfacher Offizier der Streitkräfte, der absolut unüblich und sogar verboten war. Es wurde in der Regel bei der Programmierung der Erinnerungsdatenbanken streng darauf geachtet, daß ein kritisches Maß an Information nie überstiegen wurde, so daß die totalitäre Anwendung der Daten ausgeschlossen werden konnte. Nicht einmal die Führer des Imperiums, einschließlich des Imperators, besaßen alle Datenbanken. Zerion ging bereits damals auf, daß da etwas besonderes lief, da wurden ihnen Daten mit auf den Weg gegeben, die man für normale Kampfeinsätze nie benötigt hätte. Forschungsdaten, historische Daten, der gesamte sodomitische Datensatz war an Bord des Kampfsterns. Zerion wußte innerlich bereits damals, als er den Kampfstern das erste Mal betrat, daß er seine Heimat wohl nie wieder sehen würde. Ein Signal vom Bildschirm und Kh´yrons Meldung rissen Zerion aus seinen Gedanken.
"Commander, wir erreichen Kulminationspunkt in RAST 0,7. Senke Geschwindigkeit von Alpha 1 auf 1,0 Mikra. Computer. Bereite Verzögerung vor. Stabilisiere auf derzeitigem Kurs. Geschwindigkeit: 1,0 Mikra. Ausführen."


Zerion schaltete den Bildschirm um. Dieser zeigte nun die 0°/0° Voraussicht. Der optische Effekt der Vortriebsverzögerung war fantastisch.

Die Sterne, die eben noch auf den Betrachter zuflogen, kehrten scheinbar um und entfernten sich wieder. Dann hielt das Bild kurz inne, und die Sterne fixierten sich am Firmament. Vor ihnen lag Pluto, der majestätische Eiskönig dieses Planetensystems, düster und unheilschwer im fahlen Glanz der Sonne, die sie im Rücken hatten. Vor der mächtigen Shilouette Plutos machten die Scanner verschiedene Objekte aus. Die Erfassungsmuster zeigten sechs Colum-Ghar-Jäger, die auf etwas zu warten schienen. Es waren die anderen Exilisten, die Zerions Ankunft erwarteten.

Im Cockpit des VORTEX III ertönte das Anrufsignal der Intercom. Zerion öffnete den Kanal und der Bildschirm zeigte das Gesicht eines harten, kampferprobten Mannes, der mit absolut militärischem Gleichmut kommunizierte, obwohl Zerion wußte, daß auch sein Gegenüber am anderen Ende der Leitung von prickelnder Spannung erfüllt sein mußte. Es war General Harhakhan, der Führer des Rot- Geschwaders der Colum-Ghar-Krieger. Die Erste der vier Staffeln mit je 2200 Colum-Ghar-Jägern der Klasse 1 (2 Mann Besatzung & Bewaffnung) war aus der Elite der Kampfpiloten gebildet worden. Es waren durchweg draufgängerische, kampflustige Teams, die wegen ihrer Art zu kämpfen auch die "Golachab"("die Flammenden") genannt wurden. Die Angehörigen dieser Kaste genossen größten Respekt auf dem Technodrom. Gairon Harhakhan war der härteste von Ihnen, und Zerion war sich der absoluten Loyalität dieses mächtigen Kriegers mit der hohen, verknöcherten Stirn sicher. " SHAVN JIHAD, Warrior Lord of Sodom! Ich grüße Euch, mein Kommandant! Wir erwarteten Eure Ankunft, um gemeinsam mit Euch in Ehre auf den Kampfstern zurückkehren zu können. Es ist eine lange Zeit vergangen, wir sind bereit und erwarten Eure Befehle."
Zerion war erfreut, in das Gesicht des Kampfgefährten zu sehen.

[...]

Das segurianische Technodrom setzte sich in Richtung auf die trojanischen Asteroiden in Bewegung. Obschon die urgewaltigen Triebwerke archaisch brüllten, drang aus dem Entropiering nicht ein Ton ins beleuchtete Universum. Der waffenstrotzende Koloss glitt lautlos, immer schneller werdend, über den sternbeleuchteten Horizont.
"Navigation an Commander. Marschgeschwindigkeit Alpha 2 erreicht. voraussichtliches Eintreffen am Ziel: T3-88 Minuten Systemzeit."
Commander Zerion stand an der Brüstung des Kommandoleitstandes und war zufrieden. Nach der Energieaufnahme würde er den Leviathan zwischen dem Erdmond und der Sonne postieren, bis zum Einsatzzeitpunkt. Das vereinbarte Zeichen war die totale Ekliptik, die am Tage des 11. August um 10.53 Weltstandardzeit das imperiale Flottenmanöver einleiten sollte. Es wurde damit gerechnet, daß Cuthulhu ebenso wie die imperialen Kreuzer die Dunkelheit zur Aktion nutzen würde und daß die Seiten zu diesem Zeitpunkt aufeinanderträfen.
Cuthulhu, der Führer der Formwandler, verfügte über ein pentagonförmiges Basisschiff, daß die Größe des Leviathan noch um ein Vielfaches übertraf. Seine Stryga-Jagdgeschwader waren zahlenmäßig mehr als doppelt so stark wie die des segurianischen Technodroms, aber seine tumben Piloten waren den Kriegern des segurianischen Empire weit unterlegen. Zudem waren die schweren Kreuzer des Marga auch relativ gut bewaffnet und man konnte davon ausgehen, daß die Kreuzerkommandanten sich einen Gefecht nicht entziehen würden. So konnte Zerion seine Colum-Ghar-Staffeln beruhigt in die Schlacht schicken, denn um die Erde waren die Kräfte einigermaßen ausgeglichen.

Ein wenig Sorge bereitete ihm nur der Nyarlathothep, das Basisschiff des Feindes. Es war von ungeheurer Schlagkraft, und im letzten Gefecht hatte der Leviathan alles aufbieten müssen, um ihn in die Enge zu treiben. Dies war ihm nur mit Hilfe der großen Colum-Ghar-Staffeln gelungen, die ihm nun gebunden waren. Und gelang es dem Technodrom nicht, den Nyarlathothep aufzuhalten, dann waren seine Jägerpiloten und auch die Kreuzer des Marga dem Feind schutzlos ausgeliefert und verloren.
Es würde einen Kampf auf offenem Feld geben, und diesmal war niemand da, der die Kontrahenten unterbrechen würde.
Auf dem Hauptschirm kam in weiter Ferne eine große Anzahl Asteroiden, die auf der Bahn des Jupiter um die Systemsonne kreisten, in Sicht.

"Navigation an Commander. Zielobjekt in Sicht. Entfernung: 106omicron Geschwindigkeit verringert auf 541 Mikra. partielle Annäherung eingeleitet. Autonavigation aktiviert."
Der Bordrechner übernahm nunmehr die Annäherung an das Zielobjekt. Der Kampfstern verlangsamte sowohl Geschwindigkeit als auch Drehzahl. Langsam kam er dem Asteroidenschwarm näher, und verharrte in etwa 10.000km Entfernung im Basisrotationszustand. Die Pulsgeber wurden heruntergefahren, und einzig die Impulstriebwerke hielten das Technodrom in der Basisrotationsfrequenz in Stellung.
Der Commander übergab das Brückenkommando an den ersten Offizier und setzte sich auf dem Platz des Kommandanten nieder. Dieser Platz war, wie viele andere Dinge auf dem Technodrom auch, ein einzigartiges Novum in der Kon­struktion interplanetarer Raumfahrzeuge. Der Platz, der einem großen Ohrensessel glich, war mit hochsensiblen Alphawellensensoren und Subfrequenzgebern aus­gestattet. Dies erlaubte es dem Commander in besonderen Gefechtssituationen, das Verzeichnis ACAM 111 zu aktivieren und sein Bewußtsein direkt mit dem Hauptrechner des Technodroms verknüpfen. Alle technischen Möglichkeiten des Kampfsterns konnte Zerion dann von hier aus persönlich kontrollieren. Vom Platz des Kommandanten aus hatte man, leicht erhöht, einen guten Ausblick auf das Geschehen im Brückenraum. Kh´yron marschierte an der Hauptkonsole auf und ab, und gab Anweisungen für die Energieaufnahme.
"Subcommander an Navigation. Kurs beibehalten, Drift bei Negativrotation berechnen. Triebwerkleitstand: Schubumkehr initiieren. Bei Erreichen der Vortexfrequenz Triebwerke abschalten. Booster Blocks sichern. Energie: Entropiesektoren I,II,VII&VIII öffnen. Alle Vortex-Schilde auf 100% fahren, wenn Triebwerkabschaltung erfolgt. Öffnen Einlaufschächte I-IV bei Schubumkehr. Schilde in der Assimilierungszone bei Vortex-Aktivierung auf 123% fahren."
Die Operatoren an den Phalanxen hatten gut zu tun, die Assimilierungsphase einzuleiten, bis das Vortex-Programm die Vorgänge übernahm.

Die einzelnen Stationen bestätigten die Befehle, und das Technodrom kam zum Stillstand. Während die Schildenergie erhöht wurde, begannen die mächtigen Stahltore in den Beugen der Arme sich nach den Seiten zu öffnen, und vier gigantische Einlaufschächte wurden freigegeben, die die einströmenden Materiecluster in das Innere des Technodroms leiteten, wo im Pulsatron die Transformation der Atome in Urlicht vollzogen wurde. Es gab kein Materieteilchen, daß sich dieser Umformung widersetzen konnte, so daß sich der Leviathan im Grunde von allem ernähren konnte, was das beleuchtete Universum hergab. Diese Form der Energierequirie­rung war angesichts der benötigen Energiemengen ungeheuer effektiv, da nicht unbedingt ein spezieller Treibstoff benötigt wurde. Der Computer meldete den Status.

"Alle Systeme bereit für Vortex-Aktivität. Sicherheitscan ergab keine Ortung für RAST 7,5 Einheiten. Rundown von Programm Vortex Alpha 777 möglich. Initiiere Servodrive. Einlaufschächte geöffnet, Pulsator­frequenz: negativ. Entropie geöffnet. Basisrotation: negativ/1,0. Annäherung an Assimilationspunkt: 60.000 omicRAST. Verfügbare Vortexkapazität: o,36 Totalmassen. Schilde aktiviert. Äußerer Flankenschild bei 100% stabil. Trümmerschilde bei 123%. Vortex aktiviert. Dringen in Asteroidengruppe der Trojaner ein. Erkenne Materiemuster. 75% CM-Chondrite, 22% Silikate. Rest: Gemisch diverser Materiemuster. Beginne Assimilierung."

Der Kampfstern brach mit langsamer, jedoch unaufhaltsamer Brachialgewalt in den Asteroidenschwarm ein, und einige der Körper wurden von der Vortexaktivität des Technodroms in dessen Einzugsbereich manövriert. Das hatte für die Asteroiden fatale Folgen. Sie trudelten in die sogenannte "Trümmerzone", in der sie ein- oder mehrmals auf die inneren Flankenschilde trafen und an der hochfrequenten Ladung der Felder zerbarsten. Das segurianische Technodrom hatte in der Trojanergruppe die Wirkung einer überdimensionierten Steinmühle. Alles, was in den Gravitationsbereich des Technodroms eindrang, wurde unweigerlich zertrümmert und die Teile wurden dann über die Haupttriebwerksschächte eingezogen. Asteroid um Asteroid wurde verschlungen, Myriaden Tonnen von Eis und Gestein wurden zu einer einheitlichen Energieform umgewandelt, die das Technodrom in sich aufnahm. Einmal mehr wurde das Prinzip des Fressens und Gefressenwerdens bestätigt. Auf dem Hauptschirm der Brücke konnte man den grausamen und doch faszinierenden Vorgang ausgezeichnet beobachten und Zerion sah mit Genugtuung, daß das Technodrom in den eintausend Jahren der Ohnmacht keine seiner fantastischen Fähigkeiten eingebüßt hatte. Durch den Schutz der Schilde, die das GPS um den Kampfstern aufgebaut hatte wurde der Metallkonstruktion nicht der geringste Schaden zugefügt. Nach einigen Minuten war der Energievorrat des Technodroms bereits wieder aufgefüllt, so daß der Computer das Vortex-Programm abbrach.

"Abbruch des Vortex Rundown. Status Hauptenergiereserve bei 100%, Kriegsreserve 11%. Defiant Energy Systems: 100%. Schilde: 100%. Rotationsmodus: Maelstrom aktiviert; positive Basisrotation wird hergestellt. Einlaufschächte geschlossen. Energiewandler deaktiviert. Alle Parameter normal. stand by.

Kh´yron nahm den Erfolg der Operation zur Kenntnis und beendete die Autonavigation. Das Technodrom trieb nun in den jämmerlichen Überresten des Asteroidenschwarms dahin. Die Impulstriebwerke wurden wieder in Betrieb genommen und das Technodrom begann wieder, sich gegen den Uhrzeigersinn zu drehen. Als die Basisrotation erreicht war, wandte sich Kh´yron an den Commander, der hinter ihm saß. Der erste Offizier des Technodroms baute sich neben Zerions Platz auf. "Wir sind zum Kampf bereit, mein Kommandant. Ich erwarte Ihre Befehle."
"Einsatzzeit?"
"T3 Minus 60 Minuten Systemzeit."


"Wir werden noch etwa 30 Minuten hier warten. Dann steuern Sie den Kampfstern in die Prime Position Tango3 im Sektor M3 und erwarten die Einsatzbefehle Nummer Eins. Computer: Bereite Verzeichnis ACAM 111 vor. Auslesen der Trace-Pfade. Aktiviere Protokolldatei. An alle Decks: in T3-30 Minuten Alarm II für alle Decks, Gefechtsbereitschaft melden. Bei T3-5 Minuten Großalarm ."
Kh´yron erteilte die nötigen Unterinstruktionen an die Navigationsleit­stände und in den Feuerleitständen brach hektische Betriebsamkeit aus. Auf dem gesamten Kampfstern wurden letzte Vorbereitungen für die große Schlacht getroffen. In den Civil Resident Segments wurde das Kriegsrecht verhängt, und alle nicht direkt am Kampfgeschehen Beteiligten begaben sich in ihre Quartiere und sicherten die Sektoren. Alle Primärenergiekreisläufe wurden korrigiert und die zivilen Nutzungs­systeme wurden auf das notwendige Minimum reduziert. Die zahlreichen OBS waren in allen Sektoren des Technodroms voll im Einsatz, um für Ordnung an Bord zu sorgen. Die botanischen und biologischen Sektio­nen wurden geräumt und hermetisch verschlossen. Die Relaxareas wurden versiegelt und vom Netz genommen, ebenso wie die zahlreichen Betriebe und Distributionsstellen, die die Besatzung des Technodroms mit allem Nötigen versorgten. Auch kleinere Werkstätten und alle Bildungszentren wurden komplett deaktiviert. Der Versorgungsstatus wurde auf das vorgeschriebene Kriegsminimum heruntergefahren und alle verfügbaren Hilfskräfte erhielten ihre Zuordnung zu den Utility Reaches, wo sie die kämpfende Truppe unterstützten. Alles lief nach Plan; so, als hätte es die eintausend Jahre, in denen das Technodrom inaktiv gewesen war, nie gegeben. Kh´yron, der das Brückenkommando noch führte, sah sich auf der Brücke um und erteilte dem einen oder an­deren Operator noch weitergehende Befehle, derweil Zerion auf seinem Platz saß und sich an einem seitlich vom Commanderplatz angebrachten Monitor mit der Konstruktion und Organisation des N.O.X.-Verzeichnisses befaßte.

Er studierte die Zugangscodes und prägte sich die Frequenzmuster des Blur-Operators genau ein. Er beabsichtigte, die Tarnung erst im äußersten Notfall zu aktivieren, denn er war sich nicht sicher, ob der Feind nicht doch über Mittel und Wege verfügte, den Kampfstern trotz der Tarnung zu orten. Zerion wollte instinktiv dieses Programm, das ja auch für ihn völlig neu war, zurückhalten. Für die bevorstehende Reise zum Erdmond war die Benutzung der Tarnung sowieso nicht unbedingt nötig, denn der Kampfstern würde sich dort befinden, bevor der Gegner in Sensorenreichweite kam. Dann würde das Technodrom dicht hinter dem Erdenmond liegen, und war von der Mondmasse nicht zu trennen.
Der Plan war, daß das Technodrom bis zum Beginn der Schlacht zwischen dem Erdenmond und der Systemsonne verharren sollte, um zum Zeitpunkt der Ekliptik aus der Nacht hervorzubrechen und nach dem Absetzen der Jäger den Feind zu stellen, um ihn in einer Entscheidungsschlacht zu vernichten. Zerion ließ sich die Defiant Arms Energieleitmuster aufführen, denn er beabsichtigte, noch einige manuelle Optimierungen der automatischen Feuerkraftkalibrierung vorzunehmen.

[...]

Das Zentrum des heliogenetischen Imperiums war die gigantische quaderförmige Raumstation


N E W J E R U S A L E M
"die Goldene Stadt der Himmel von Assiah"


In der Festung residierte der unheimlich fette Imperator von SOL. Die Grundform der Basis war quadratisch, ebenso die Seitenformen. Das jeweilige Seitenmaß des gewaltigen Quaders betrug 12000 Helio-Meilen, was dem Kubus immerhin ein Raummaß von 0,99454*1021 Choinix sicherte. Damit war New Jerusalem etliche Tausend Mal so groß wie das Segurianische Technodrom. New Jerusalem hatte die Ausmaße eines kleinen Klasse M - Planeten und war wohl mit Abstand das größte imperiale Bauwerk im beleuchteten Universum. Der monströse Verwaltungstrakt hatte einen 144 Ellen messenden Panzer aus Gormstahl, der trotz seiner enormen Dichte und Festigkeit in einem grünlich schimmernden Farbton irisierend glänzte, und man konnte lediglich durch die 12 gigantischen Haupttore, die durch ein Intrusionssperrfeld geschützt waren, in die verschiedenen Ebenen ungehindert einsehen. Der urgewaltige Kubus, der mit der Masse des PLuto fast konkurrieren konnte, war in 12 Großdecks unterteilt, von denen jedes für sich in seiner Höhe die Gesamtkantenlänge des Technodroms überschritt und wiederum in tausende von Ebenen, Sektoren und Interkuben unterteilt war. Die im Innern verwendeten Baumaterialien ließen die internen Konstruktionen in einem gleißend goldenen Licht erstrahlen. Der Imperator von SOL hatte es halt gern hell.
Den meisten Platz nahm in New Jerusalem der riesige Verwaltungsapparat ein, der insgesamt 15.602 Völker in fast 1.200 Sytemen der Föderation bediente. Dieser Bezirk nahm 6 zentrale Großdecks ein. Alle Regierungen, die dem föderalen Rat mittelbar oder unmittelbar zugehörig waren, hatten mit dem Imperium von SOL einen umfangreichen Dienstleistungsvertrag geschlossen, der sicherstellte, daß die Verwaltung von New Jerusalem exclusiv Zugriff auf alle Daten des Bündnisses hatte, um größtmögliche Effektivität der beteiligten Regierungsapparate zu gewährleisten.


Von hier aus wurde das gesamte heliogenetische Imperium gelenkt. Und nur, wer sich dem Bündnis anschloß, konnte auch sicher sein, daß seine Welt von den Schlachtkreuzern des Imperiums verschont und damit existent blieb. Die Verwaltungseinheit war das Herz des Imperiums von SOL und der verwundbarste Punkt New Jerusalems.

Primäres Angriffsziel war der KOM-Sender der goldenen Stadt, der tief im Innern des planetaren Würfels lag. Ihn sollten die Bomber ausschalten, bevor die Nachricht vom Angriff durch den Interraum an den Marga gesendet werden konnte. Sollte dieser Plan gelingen, gab es weder für den Imperator noch für seinen Sohn eine echte Chance, die Schlacht lebend zu überstehen.
Zerion stellte sich die Gesichter der vollgefressenen imperialen Schmarotzer und Intriganten vor, die ihre korrupten Geschäftchen und Betrügereien 'im Namen der Gerechtigkeit des Herrn' mit pharisäerhaften Fratzen in New Jerusalem verrichteten. Der Imperator und Führer der LEGION111 hatte vor, ihnen gewaltig das Geschäft zu versauen.
Ansonsten war (mit Ausnahme der ausgedehnten Privat- und Unterhaltungssektoren) New Jerusalem straff militärisch organisiert. Darauf hatte Ananda Marga, der eitle Sohn des Imperators, im Führerbunker der Stadt ein wachsames Auge. Der Marga hatte diese gewaltige Zentrale der Macht -wie alle anderen militärischen Machthaber auch- auf den Fundamenten der Angst errichtet und verfügte über ein reichhaltiges Reservoir an Möglichkeiten, dies auch zu verdeutlichen. Der Streitmacht des heliogenetischen Imperiums war nicht einmal die Allianz der föderierten Systeme gewachsen, so daß die Position des Imperators im gesamten beleuchteten Universum unangegriffen war.

New Jerusalem war die Heimatwelt des Imperators von SOL. Dorthin wollte Zerion. Er aktivierte die Navigationsverzeichnisse und bestätigte die Kurseingaben für das Ziel. Die Gideon-Pulsgeber beschleunigten die Drehzahl des Technodroms erneut in die nicht wahrnehmbaren Bereiche des Superspin, und nach dem Ankoppeln auf den Mainstring stob der Kampfstern wie ein geölter Kugelblitz in Richtung des nächstliegenden Bogensprungsektors davon.
Nach wenigen Zentirast meldete der Computer über Intercom-Lautsprecher die Navigationsstaten.

"Achtung. Anflug auf Interraumfenster der RAVE-Kategorie. Break Event in 7 Zentirast. Errechnete Durchbruchgeschwin­digkeit: Alpha 21 bei Superspin. Ankunft im Zielgebiet 0700 Systemzeit. Telescan bestätigt Zielobjekt laut strategischer Vorgabe. Angriff erfolgt direkt nach Wiedereintritt in Kontinuum."

Das Technodrom, das sich in einem genau festgelegten Verhältnis von Masse, Geschwindigkeit und Rotationsfrequenz bewegte, verließ den koordinierten Raum, um sich über einen Bogensprung Zutritt in die 40.000 AR entfernt gelegene Galaxie von Assiah zu verschaffen. Der Austrittspunkt lag in der Nähe des gewaltigen Kubus und ermöglichte einen direkten Anflug zur ersten Angriffswelle.

Die Monitore auf der Brücke erloschen und erneut wurden in allen Sektionen letzte Vorbereitungen für den folgenden Kampf getroffen. Die CG-Maschinen wurden in Startposition gebracht und die Bomber wurden aktiviert.

Die endgültige Taktik war nun aus den ACAM-Verzeichnissen an alle Rezeptoren weitergeleitet. Die Scans hatten ergeben, daß es eine Möglichkeit gab, den Notruf von New Jerusalem zu verzögern. Die Jäger und Bomber würden sofort nach dem Erreichen des Bogenendes in unmittelbarer Nähe der ersten Torsektion per Notausstoß abgesetzt. Die Jäger sollten die Flugabwehr binden, während die Bomber sofort durch die Tore I, V & IX in die Inneren Strukturen der goldenen Stadt vordringen sollten. Die geräumigen Hauptschächte und -kanäle erlaubten taktischen Formationsflug und volle Einsatzgeschwindigkeit und die modifizierte Feuerkraft der Colum-Ghar-Einheiten reichte bequem aus, um die inneren Sicherheitssysteme der Stadt zu eliminieren. Die Einsatzpriorität galt der Zerstörung des KOM-Senders, der für das erfolgreiche Absetzen eines Notrufs in den Interraum nötig war. Wenn der Sender zerstört war, konnte die Schlacht in aller Ruhe ihren Gang gehen. Für die notwendige Rückzugsdeckung würden dann die vollständig gestarteten CG I-Geschwader sorgen. Es kam einzig darauf an, die Bomber vor dem Schließen der Tore, das ca. 1 Dezirast dauerte, in die Hauptkanäle der goldenen Stadt zu kriegen.

Währendessen würde das Technodrom mit vollen Breitseiten aus den Plasmawerferbatterien den Defensivschild New Jerusalems zerstören, so daß die Stadt allein auf die Verteidigung durch ihre Werfer- und Laserbatterien und technisch unterlegenen Geschwader von Starlight- und uralten Traxisjägern angewiesen sein würde, die zwar einiges an Masse, jedoch nichts an Klasse aufzubieten hatten. Die Maschinen waren alt, langsam und nur leicht bewaffnet, die Ausbildung der Piloten war im Vergleich zu der der segurianischen mangelhaft und ihre taktischen Rechner gehörten -im Anbetracht der jüngsten segurianischen Neuerwerbungen- ins technische Museum.

Alles in allem würden die Verteidiger der goldenen Stadt eine recht passable Schießübung für die Piloten der LEGION abgeben.

Wenn die Schilde der Stadt vollständig deaktiviert waren, beabsichtigte Zerion, ein Kulminationsfeld um den riesigen Quader zu legen, und so ein Medium für den Einsatz des Subwoofers zu schaffen. Durch Katalyse der Synchronschwingung innerhalb der Dichtestruktur der Trägermaterie würden Haarrisse in der primären Molekularanordnung auftreten, die die Stabilität der Außenhülle dermaßen beeinträchtigen würden, daß die Stadt unweigerlich zerbersten mußte.
Natürlich beabsichtigte Zerion nicht, dem Marga dieses Schauspiel vorzuenthalten.


Mit LOROO war vereinbart worden, daß dieser eine um 12 RAST-Einheiten versetzte Projektion der Ereignisse auf der imperialen Notruffrequenz absetzen sollte an die Truppen der Allianz, die sich noch am Fall Segurias ergötzten und dort mordlüstern die Ankunft des Technodroms erwarteten. Sie würden an ihren Monitoren sehen können, wie das Technodrom ihre Basis vernichtete. Und im Moment der größten Konfusion würde ihr Todfeind dann aus dem Nichts vor ihnen erscheinen und es zum Ende bringen.

Die Monitore auf der Brücke bekamen wieder ein Bild, was darauf hindeutete, daß in wenigen Zentirast das Ende des Bogens erreicht sein würde. In der Ferne des Vorausbildes tauchte ein grünlich schimmernder Punkt auf, der sich schnell vergrößerte.
Zerion reaktivierte die Tarnung, so daß das Eindringen des Technodroms in den imperialen Herrschaftsbereich lediglich an subtilen Interraumfluktuationen festzustellen sein würde. Es war davon auszugehen, daß die Operatoren an den Sensorenphalanxen der goldenen Stadt in diesem Moment die Veränderungen im Energieflußmuster bemerkten, jedoch würden sie einige Zeit brauchen, um die Fluktuationsmuster zu definieren und festzustellen, daß es ein getarntes Objekt von beträchtlicher Größe war, das diese Anomalien verursachte und aus dem Interraum in das System eindrang.
Zerion schätzte, daß der Angriff der LEGION sie noch vor dem Ende ihrer Berechnungen treffen würde. Der Gegner rechnete nicht mit der ungeheuren Geschwindigkeit, mit der das Technodrom seit der Überholung agieren konnte und mit der verbesserten Feuerkraft der CG I-Jäger, welche ihnen eine unerwartet harte Schlacht bieten würden. Die Nerven aller Legionäre waren zum Zerreißen gespannt.

Der Wiedereintritt in den koordinierten Raum erfolgte lautlos und unspektakulär. Im nächsten Moment war die Hölle los.

Über dem Oberdeck New Jerusalems enttarnte sich das mit Basisrotation operierende Segurianische Technodrom und stieß eine Wolke von 7.500 CG I steil nach unten aus, welche sich sofort auf die in der Außenhülle des Kubus integrierten FlA-Werfer und Laserbatterien stürzten, um so die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sofort danach starteten die 1.300 CG I-Bomber und nahmen in drei Gruppen Kurs auf die ihnen zugewiesenen Tore.
Die riesigen rechteckigen Stahltore, die 12 Helio-Meilen in der Höhe und 24 in der Breite maßen, wurden in dem Moment aktiviert und begannen sich zu schließen. Überall in den Hauptkanälen, die bei geöffneten Toren nur durch dünne, elastische Eindämmungsfelder vom interstellaren Raum getrennt waren, blinkten rote und gelbe Rundumlichter, die das Notschließen der Tore ankündigten.
Aus den Launch Decks der Stadt strömten Horden von Abwehrjägern des Imperiums, die sogleich von den Angreifern unter heftigstes Feuer genommen wurden.

Über der Stadt teilten sich die CG-Jäger zur Behemoth-Schleife in zwei Hauptflügel, die um New Jerusalem zwei taktische Halbschalen formierten, um dann urplötzlich und absolut synchron auf den riesigen Kubus -den sie umhüllt hatten, wie ein Saidfliegenschwarm den Kadaver eines Reschtaks- einzustürzen. Sie eröffneten gleichzeitig das Sperrfeuer, und deckten die Woge der herannahenden Verteidiger mit tödlichen Energiegeschossen ein.
Derweil hatten die Bomber die Tore, die bereits zur Hälfte geschlossen waren, erreicht, und brachen durch die Eindämmungsfelder in die Innenkonstruktion der goldenen Stadt ein.

In einem Feuersturm aus ihren Bordwaffen preschten die Bomberstaffeln in die hell erleuchteten Korridore und verwüsteten die seitlich der Hauptkanäle gelegenen Anlagen und Bezirke quasi im Vorbeifliegen. Nicht enden wollende Serien von heftigen Explosionen erschütterten die goldene Stadt von Innen heraus. Die Eindämmungsfelder der Tore wurden von den ungeheuren Druckwellen zerschmettert und die Wucht der Explosionen schleuderte Menschen und Material in den Weltraum. Nun erst begannen die Defensivschilde der Raumbasis wirksam zu werden. Der Sog, der das Innere der Stadt ergriffen hatte, wurde unterbrochen, und die Bomberstaffeln waren nun völlig auf sich allein gestellt. Nach Zerions Berechnungen konnte die Leistung der KOM-Generatoren in der Zentrale des Imperiums derzeit höchstens bei 25% steigend liegen. Es blieben noch 4,9 Dezirast, um den KOM-Sender zu zerstören. Er ließ die CG-Staffeln das Oberdeck der imperialen Basis räumen und begann, die Schutzschilde mit Helioplasmasalven zu beharken. Die unteren Hauptwerfer feuerten intervallweise große, genau auf die Schildkonfiguration abgestimmte Cluster reproduzierter Sonnenmaterie ab, die mit rötlich-gelbem Schein in die Schilde eindrangen und im Schildgürtel mit den dort vorhandenen Neutrinos reagierten. Heftigste Inversionswellen erschütterten die Schildkonfiguration und destabilisierten zusehends diese Abwehrmaßnahme. Als die Schildstärke des Oberdecks unter 20% sank, durchdrangen die ersten Plasmaquanten die Schilde und trafen auf die Gormstahlpanzerung der Stadt, die den hochenergetisierten Geschossen nicht viel Widerstand bot. Nach wenigen Treffern unter die Außenhaut setzten auch die ersten Schildgeneratoren aus, und der Schutzschild um die goldene Stadt brach völlig zusammen.
In diesem Moment wurde der Sektor B?361-19 im Innern des gigantischen Würfels von einer Reihe stärkster Explosionen erschüttert, die einige der umliegenden Sektoren in schwerste Mitleidenschaft zogen. Zerion überprüfte die Koordinaten des Detonationszentrums. Den Berechnungen zufolge hatten die Bomber ihr Ziel nicht verfehlt. Der KOM-Sender war zerstört, ein Notruf der Angegriffenen damit unmöglich gemacht. Kurz darauf barsten die inzwischen verschlossenen Tore der ersten Torsektion, und aus den riesigen Feuerbällen stoben die CG-Bomber heraus, die sich -gedeckt von einigen hundert Jägern- sofort aus der unmittelbaren Gefahrenzone begaben.


Die übrigen CG I waren damit beschäftigt, das Technodrom zu sichern, das nun die Defensivschilde senkte, um zum tödlichen Schlag auszuholen. Dies hatten auch die Troups des Imperiums bemerkt, und konzentrierten ihre Jäger-Attacken nun auf den Kampfstern. In dichten Pulks überflogen sie die mächtige Sternswastika, verfolgt von den CG-Jägern und empfangen von den Plasmakanonen des Technodroms. Überall rund um das langsam rotierende Technodrom war der Raum erleuchtet von den Mündungsfeuern der Kanonen und den explodierenden Tanks und Waffen der gegnerischen Ziele. Zerions Piloten zeigten nun, was sie in der letzten Zeit dazugelernt hatten. Und auch Zerion, der über den Gefechtscomputer die Bordwaffen zielsicher bediente, hielt tödliche Ernte unter seinen Feinden.

Ein Feuerwerk der Zerstörung umgab den Leviathan, als er sich der goldenen Stadt bis auf wenige Helio-Meilen näherte.

Der erste Offizier trat an die Seite des segurianischen Imperators.
"Die Gegenwehr wird schwächer. In wenigen Dezirast werden die letzten Jäger erledigt sein. Die ersten Notlandefähren und Transportshuttles verlassen durch die Bodensektion die Stadt und versuchen zu fliehen. Wir erwarten in Kürze eine große Evakuierungswelle. Unsere Geschwader werden sich darum kümmern.
Das Shuttle des Imperators hat die Stadt noch nicht verlassen, er ist vermutlich noch im Führungsbunker. Wir versuchen ihn zu lokalisieren."

"Nicht nötig, Kh´yron. Es reicht völlig, daß er die Stadt nicht verläßt. Ich beginne nun die entscheidende Sequenz zu aktivieren. Range and Fire an alle Einheiten."
Zerion ließ die Sensoren einen Tiefenscan der Molekularintegrität der goldenen Stadt anfertigen und legte den Interrupt-Sektor an der Außenhaut fest. ACAM markierte eine Fläche, die der einer ausgestreckten Hand entsprach und polarisierte die Zuleitungen in die Generatoren des Subwoofers.
Diese Waffe, die im Bodenareal des Zentralsegments <Naibb ACAM> montiert war, konnte man im Grunde als einen übergroßen "Lautsprecher" bezeichnen, zumindest war das Funktionsprinzip einem solchen nicht unähnlich. Der Woofer bestand aus einer von Zentrierungsspulen umgebenen Membran, die bilateral gesteuert werden konnte. Diese Membran wurde in ihrer Frequenzbreite der vorhandenen RANGE-Integrität des anvisierten Massekörpers angepasst und konnte über ein entsprechendes Medium die Synchronschwingung katalysieren, so daß die Dichtestruktur der Masse zunehmend variierte. Die Ausrichtung der Störwellen auf einen genau bezeichneten Bereich des Massekörpers sorgte dafür, daß sich die Integritätsverwerfungen in der Massestruktur in unregelmäßigen Intervallen ausbreiteten. So konnten innerhalb kürzester Zeit starke Interferenzen auftreten, die die Molekularintegrität des Zieles auflösen würden. Die Interferenzberge belasteten die markierten Kulminationssektoren derart, daß es zu Rissen und Brüchen in der Konstruktion kommen mußte. Ganze Planeten ließen sich mit diesem Overkill ohne großes Aufheben eliminieren.


ACAM registrierte die Materiemuster der Außenhaut, in die der Subwoofer ein genügend große Loch stanzen sollte, so daß das Technodrom in das Herz der Stadt vordringen konnte.
Die Resonanzparameter der Woof Energy Systems stiegen rapide an, der linsenartige Verschluß des Bodensegmentes öffnete sich und gab den Woofer frei. An der Unterseite des Technodroms fuhren die Zentrierspulen aus ihren Halterungen und bildeten etwas unterhalb des Reflektors einen Ring aus metallisch glänzenden Zylindern, die durch ein starkes rotes Energieband miteinander verbunden waren. Die Zentrierspindel war eingerastet und wurde automatisch kalibriert. Abstrahlwinkel, Pulsintensität und Intervalldauer der Interferenzwellen wurden auf den Zielsektor zugeschnitten.

Ein pulsierendes Leuchten erfüllte die Membran, die sich nun zwischen Reflektor und Zentrierspindel herabsenkte. Die Schildgeneratoren des Technodroms liefen hoch, und ausgehend von den Entropiewerfern wurde ein Deuterium-Kulminationsfeld um die Außenhaut des riesigen Quaders gelegt, das als Transfermedium für die Interferenzwellen dienen sollte. In der goldenen Stadt herrschten derweil Chaos und Zerstörung. Die KOM-Sektionen und taktischen Rechner waren irreparabel beschädigt und boten ein Bild der Verwüstung. Ganze Trakte waren durch die heftigen Detonationen zerfetzt worden und in den Trümmern lagen tausende von Toten. Auch großräumige Areale der Wohn- und Geschäftsbereiche waren arg in Mitleidenschaft gezogen, und überall hallten die hohen Räume wieder von Explosionsgeräuschen und den erbärmlichen Schreien Verletzter und Sterbender. Die B?-Sektionen waren völlig verstrahlt und die Wahrscheinlichkeit, daß dort noch jemand seinen Dienst versah, war äußerst gering.
In den gesicherten Bereichen der Verwaltungstrakte, in die der Führungsbunker integriert war, saß der fette Imperator von SOL schwitzend vor Angst und hatte seinen ratlosen Stab um sich geschart. Alle schwätzten durcheinander. Von militärischer Disziplin oder der Einhaltung der Rangordnung war nichts mehr zu spüren. Jeder gab seine hastig erdachten Vorschläge zum Besten, ohne daß einer der Vorschläge irgendwie ernsthaft diskutiert werden konnte. Die Palette der Vorschläge reichte vom ungeordneten Rückzug -Flucht- über Ausfallangriff bis hin zu bedingungsloser Kapitulation oder Selbstzerstörung. Einer hatte die grandiose Idee, die Stabilisatoren zu deaktivieren, und so mitsamt dem Technodrom in die Systemsonne Thyfaret VI zu stürzen.
Der Imperator von SOL hatte nicht einmal mehr seine besten Leute im Griff. Panische Angst stand in ihren Gesichtern.
Mittlerweile war das Kulminationsfeld errichtet, und die Energiematrix für die Wooferaktivierung war erstellt. New Jerusalem war umgeben von einen violett irisierenden Kraftfeld, das den Leviathan mit der goldenen Stadt verband.
Zerion arrettierte die letzten Rückstoßkompensatoren und nahm Ziel. Die erste Sequenz wurde abgesetzt. Tiefe, wummernde Doppelschläge dröhnten durch den gesamten Corpus des Technodroms. Die Kompensatoren leiteten die reflektierten Wellen in die Entropiewerfer ab, die diese wiederum ins All ableiteten.

Die Membran des Subwoofers erzeugte starke Interferenzwellen, die nun auf die vorausberechneten Punkte auf der Oberfläche New Jerusalems aufschlugen und dort begannen, die Molekularintegrität des Gormstahls zu verändern.
Zerion erhöhte die Frequenz langsam auf 179 GigaWave. In diesem Schwingungsbereich sollte die Synchronschwingung des Gormstahls liegen. Der Wellenbeschuß dauerte unvermindert an, bis die Sensoren das Auftreten feinster Haarrisse in der Molekularstruktur der Panzerung von New Jerusalem meldeten. Das Material war durch heftige Interferenzverwerfungen ermüdet, und drohte nun durchlässig wie ein Schwamm zu werden. Es wurde ein sich vergrößerndes Undichtefeld in der Oberflächenstruktur entdeckt, das das Ergebnis des steten Wechsels von Interferenzbergen und -tälern war.
Als der Durchmesser des Feldes die absolute Seitenlänge des Segurianischen Technodroms überschritten hatte, gab Zerion mental den Befehl, die Subwoofer zu deaktivieren und einzufahren. Synchron dazu ließ er die Flankenschilde der Hammer sections auf 123% fahren. Durch einige Schwerpunktmanöver stellte Zerion den Kampfstern nun vertikal über dem obersten Deck der Stadt auf. Noch immer drehte sich die Sternswastika in ihrer Basisrotation linksläufig.
Alle Beteiligten, die dazu in der Lage waren, verfolgten das Treiben des segurianischen Führers trotz der tobenden Schlacht mit Neugier. Das, was sich dort am Himmel vor der riesigen Shilouette der Systemsonne abspielte, war nicht eben das, was man von klassischer Kriegsführung erwartete. Der Imperator von SOL hatte seinen Gegner, den er selbst nie gesehen hatte, völlig unterschätzt. Auch der Marga, der gegen die Sicherung New Jerusalems gesprochen hatte, hatte sich schwerst geirrt. Allein der Generalintendant der föderalen Streitkräfte hatte den segurianischen Imperator richtig eingeschätzt.
Das Technodrom näherte sich nun der äußeren Hülle der Stadt, die durch den Beschuß mit den Interferenzwellen an der vorgezeichneten Stelle quasi "aufgeweicht" worden war. Selbst als die Hammer Sections auf die Gormstahlpanzerung trafen, verlangsamte sich die Rotation der Swastika nicht im Mindesten.
Die äußersten Winkel des Kampfsterns drangen mit Brachialgewalt in die Stahlkonstruktion der goldenen Stadt ein. Im Innern der Stadt mußte nun ein ohrenbetäubender Lärm herrschen. Kreischendes Metall wurde von den mächtigen Armen des Kampfsterns in die inneren Bereiche des Quaders gedrückt, als wäre es Papier. Die Maelstrom-Power der Impulstriebwerke presste -unterstützt von der Energie der gewaltigen Gideon-Pulsgeber- jeden der vier Arme immer wieder aufs neue in den Kubus von New Jerusalem und trieb das segurianische Technodrom in seiner vollen Größe in die Konstruktion hinein.
Ein mit geordneten Sinnen nicht zu erfassendes Spektakel bot sich dem Außenstehenden, der diese Szene beobachtete. In einer Wolke von völlig deformierten Einzelteilen, humanoiden und anderen toten Körpern, Gas und Feuer fraß sich das Technodrom wie in Zeitlupe in den Corpus der viereckigen Stadt, so wie ein Krokodil in den verwesenden Kadaver seiner Beute hineinkriecht, um an die besten Brocken zu kommen.


Nach wenigen Dezirast war von der Swastika nichts mehr zu sehen. Sie war vollständig in dem imperialen Quader verschwunden. Einzig große Mengen von Detonationsfeuer und Trümmern, welche die Wunde, die der Leviathan aufgerissen hatte, einer Lavaeruption gleich ausspie, zeugten davon, daß der segurianische Kampfstern innerhalb der Stadtmauern sein Werk der Zerstörung unbehindert fortsetzte. Nach kurzer Zeit zerbarsten sämtliche Tore der Stadt und entließen abermals mehrere nicht unbedeutende Kontingente an Menschen und Material in den Weltraum. Auch die Zahl der Shuttles, die die Bodensektion der Station verließen, erhöhte sich zusehends.
Kh´yron hetzte einige Schwadronen der Jäger auf sie, um den totalen Erfolg der Strafexpedition sicherzustellen. Niemand sollte dieser Vergeltungsmaßnahme entkommen.
Immer tiefer drang das Technodrom in die Stadt ein, mit Ziel auf den Führungsbunker im Kern des Würfels, wo noch immer der Imperator mit seinem Stab herumsaß, und sich ängstigte. Doch Zerion war gekommen, um diesen Zustand zu ändern.
"Deine Erlösung naht, Imperator von SOL! Ich bin gekommen, um dich dahin zu bringen, wo für dich seit ewigen Zeiten ein Platz bereitgehalten wird. In der Hölle!"
Der Imperator und seine Generäle waren völlig geschockt und paralysiert, als die Sensoren das Eindringen der Swastika in die Stadt meldeten. Der Kampfstern der Segurianer wütete wie ein degurischer Reschtak in den Segmenten, die er auf seiner zerstörerischen Route quer durch den Kubus durchwanderte. Sie hätten es niemals für möglich gehalten, daß ein Fremdkörper durch die gewaltige Panzerung dringen konnte, um die Weichteile der Stadt ernsthaft zu gefährden. Das Vorgehen des segurianischen Kommandanten war in ihren Augen absolut inobligat und an sich rechnerisch unmöglich. Der fluktuativ frequentierte Gormstahl wies normalerweise alle Fremdmaterie ab, und war selbst mit Lasern und Plasmawerfern nicht zu durchdringen.
Doch das Technodrom hatte lediglich "kurz angeklopft", und war -ohne eine Antwort abzuwarten- in die Stadt eingedrungen und hatte alle ihre Verteidigungsanlagen, die im gesamten Universum gefürchtet waren, mit spielerischer Leichtigkeit umgangen oder zerstört. Und nun waren die Segurianer dabei, das Schicksal der Verteidiger auf die gesamte Stadt zu übertragen. Überall in den Gängen und Kanälen der Stadt hallten schwere Explosionen wider, Trümmerteile flogen umher und verletzten und töteten viele Bewohner und Arbeiter. Tausende Brandherde verhinderten eine geordnete Strategie, dem Eindringling zu begegnen. Obendrein hatte das Technodrom inzwischen mehr als 60% der essentiellen technischen Einrichtungen zerstört, so daß die Schwerkraft bereits um 88% vermindert war. Die ersten Dinge und Körper, deren Gewicht sich nun rapide reduzierte, begannen, vom Untergrund abzuheben, und drifteten -beeinflußt von den periodisch umlaufenden Detonationswellen- völlig unberechenbar durch die Hohlräume der Stadt.
Das Bersten und Krachen innerhalb des Kubus nahm an Intensität ständig zu und erfüllte mittlerweile sämtliche Decks mit der düstren Kakophonie der Zerstörung, die dem heliogenetischen Imperium von SOL das Lied vom Tod spielte.

Durch die gesprengten Tore drangen erneut die CG I-Jäger und -Bomber in die Stadt ein, und schlossen sich der Zerstörungswut ihres Imperators an. Der Kampf hätte sicherlich schon beendet sein können, jedoch man merkte schnell, daß es hier nicht um die Beseitigung eines Übels ging, sondern darum, nicht mehr meßbaren Rachedurst durch die Statuierung eines besonderen Exempels zu stillen. Zerion, dessen Körper nun gewissermaßen das gesamte Technodrom war, rastete total aus. Er lief im Innern der goldenen Stadt, von deren einstiger Pracht nicht mehr viel zu sehen war, Amok.

Die rotierende Swastika bahnte sich unweigerlich einen Weg ins Zentrum des Quaders, und die Energieemissionen der Triebwerke gaben der direkten Umgebung des Technodroms den Rest. Als der RVACH-Arm den Führungsbunker des Imperatos von SOL zerschmetterte, erlebte dieser den Tod in der Form einer gigantischen Stahlwand, die seinen Körper wie reifes Obst zerrieb.
Zerion registrierte in seinen sensorischen Bereichen das Verlöschen des Lebens im Führungsbunker des dahingeschiedenen Imperators von SOL und stoppte den gewalttätigen Vortrieb des Kampfsterns. Er ließ das Technodrom nun zwei Überschläge über die Horizontalachse kippen und schuf sich so im Mittelpunkt der goldenen Stadt einen Raum, der exakt den Ausmaßen der GPS-Schilde entsprach. Erneut war das Innere des Quaders von dem tosenden Berstgeräuschen zerreissenden Stahls erfüllt. Der Umstand, daß sich das Technodrom in der Umgebung aus Gormstahl bewegen konnte, wie ein Löffel in der Suppe, raubte den letzten Beobachtern in der Stadt, die noch am Leben waren, fast den Verstand. Es gab scheinbar nichts mehr, daß diesem Werkzeug des Bösen, wie das Technodrom in den klerikalen Sekten des Helio-Imperiums verächtlich genannt wurde, widerstehen konnte.

Sie wähnten Ha-Armaggeddon vor sich, als sie ihre Niederlage erkennen mußten. Nie hatten sie ihre eigenen Prophezeihungen verstanden, die von der Auslöschung der 1000 falschen Propheten sprachen. Stets hatten sie diese Verse ihrer Annalen auf die von ihnen kritisierten freien Geist-Gemeinschaften projiziert. Sie waren stets zu hochnäsig gewesen, sich selbst in den Kreis der falschen Heilsverkünder einzureihen. Nun hatte dies ein anderer für sie übernommen.
Diese Erkenntnis sollte das letzte sein, was sie aus der Welt der Materie mitnehmen sollten an den Ort, wo man GERICHT halten würde über ihr Leben und Handeln.

Zerion bereitete den letzten Schlag vor. Der Standardzeitabgleich ergab, daß in zwei RAST-Einheiten die Übertragung an den Marga abgesetzt werden würde. Da für den Bogensprung Richtung Seguria etwa 8 RAST-Einheiten benötigt wurden, mußte die Sache hier nun zu Ende gebracht werden. Er beorderte alle fliegenden Einheiten aus der Stadt und ließ sie in einer Warteschleife hinter der Systemsonne Stellung beziehen. Als die Jäger abgezogen waren, checkte er sämtliche Systeme und erhöhte die Leistung der Flankenschildgeneratoren noch einmal um 56% und fuhr die Schildfrequenz bis in die roten Bereiche.

Er bereitete den Aufbau des Entropierings vor, der das Technodrom vom dem es umgebenden Raum trennte. Diese Aktion würde die Masseverhältnisse innerhalb des Quaders, in dessen Zentrum der Leviathan sich befand, derart sprunghaft verschieben, daß ein explosionsartiger Bruch der Außenhülle rechnerisch zu 93,91% die Folge sein würde.
Der Imperator aktivierte die Zuleitungen und autorisierte die angepaßte Energiematrix in den Entropiewerfern.

Dann schaltete er mental die Online, und die Werfer emittierten sofort große Nullentropiequanten, die sich an den äußersten Abmessungen der Sternswastika orientierten und den Entropiering bildeten.

Äußerlich war der Angriff auf New Jerusalem nicht spurlos an der goldenen Stadt vorbeigegangen. Man konnte deutlich erkennen, daß die schweren Haupttore zerstört und ein Loch in den oberen Panzerstahl gebrochen war. Doch im großen und ganzen waren das keine Schäden, die eine Reaktivierung der Basis nachhaltig verhindert hätten. die Hauptkonstruktion war noch immer intakt und die zerstörten Innensegmente konnte man durch viel Arbeit wieder ersetzen. Der riesige Metallwürfel schwebte unbewegt in einer diffusen Wolke von Trümmern und Leichenteilen, die durch die gesprengten Tore ins All gesogen worden waren.

Die Ruhe wurde von einer nicht hörbaren Detonation, die von einem erstaunlichen optischen Effekt begleitet wurde, jäh unterbrochen.
Zu allen Seiten wurden Teile des Quaders, der eben noch die mächtige goldene Stadt beherbergt hatte, mit extrem hoher Geschwindigkeit ins All getrieben. Ausgehend von einem roten Feuerball, in dessen Mitte schwarz und bedrohlich langsam das Segurianische Technodrom rotierte, wurden Milliarden von zerrissenen Trümmern mit allem, was sich darin befand, in alle Richtungen katapultiert. New Jerusalem war praktisch von Innen heraus zerrissen worden, als Imperator Shaitan Zerion der Erste den Entropiering errichtet hatte. Tausende von Explosionen in den größeren Trümmern beleuchteten das grausame Schauspiel und ließen gespenstische Schatten über die goldenen Metallteile der zerstörten imperialen Basis tanzen. Totales Chaos, wo eben noch der Imperator von SOL in seiner eindrucksvollen Machtzentrale die Stärke seiner Regierung demonstriert hatte. Er hatte dem segurianischen Volk und allen, die Zeugen der Intrusion geworden waren, eine Lehre erteilen wollen, als er den Heimatplaneten Zerions erobert und unterworfen hatte.

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Appendix1 / 181KB
Maße, Gewichte, Topographie, Historie

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Appendix2.pdf / 92KB
Segurias Kulte & Religion

LEVIATHAN
Appendix3.pdf / 336KB
Technisches Handbuch

GLOSSAR
Appendix4.pdf / 79 KB
Wörterbuch und Lexikon

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